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Freitag, 1. April 2016

Der goldene Handschuh

Erbarmungswürdig. Trostlos. Elendiglich. Todtraurig. Grandios.
(hysterisch gehypt ? zu Recht).

In Heinz Strunks vielbeachtetem Roman "Der goldene Handschuh" feiert der wohl bekannteste Frauenmörder der siebziger Jahre Fritz Honka seine literarische Wiederauferstehung; wobei golden ist hier nichts und gefeiert wird auch nicht, sondern nur dumpf bis zur Besinnungslosigkeit gesoffen.


In der gleichnamigen Kneipe auf St.Pauli trifft sich der unterste Bodensatz der Gesellschaft : Tampon-Günter, Fanta-Rolf, Soldaten-Norbert, die Schimmeligen und eben auch Fritz Honka, gescheiterte, erbärmliche Existenz .

Herberts Tresen, das Panoptikum des Grauens, an dem aber auch Mitglieder der Hamburger High Society Platz nehmen, denn auch Geld ist kein Garant für Menschlichkeit und Würde.
Existenzen , die man kaum als Leben bezeichnen kann,  beschreibt Strunk lakonisch und authentisch ohne den Voyeurismus oder jener Sensationsgier, mit der sich der heutige Boulevard auf eine solche Story stürzen würde.
Die Brutalitäten und  ekelhaften Widerwärtigkeiten sind kein Mittel zum Zweck, sondern sind was  sie sind, nämlich einfach nur Realitäten, mit denen Sie und ich , halleluja!!!,  keinerlei Berührungspunkte  haben, hatten, haben werden - hoffentlich.

Aber Vorsicht, wie sagt Fiete, alias Fritz Honka :
"....Hoffnung ist ein Seil, auf dem Narren tanzen "


Heinz Strunk ist ein großartiges Porträt menschlicher Abgründe gelungen, wie kosmische Hintergrundstrahlung ist, trotz der sachlichen, lakonischen Erzählweise, seine Empathie spürbar. Ein Roman für die Top Five 2016.

Mein Fazit : LESEGEBOT ! ohne wenn und aber ! alles stehen- und liegenlassen !!!





Heinz Strunk

Der goldene Handschuh


254 Seiten
Rowohlt Verlag
978-3498064365


Kommentare:

mo.ni.kate hat gesagt…

gekauft.
lg monika

Sy Bille hat gesagt…

Ich dachte der kann nur in lustig, die Zunge Europas fand ich sehr flach!
werde mir das Hörbuch holen.
LG Sybille