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Freitag, 27. Mai 2016

Quickie #1 - Auch eine Sicht der Dinge

Anlässlich der Herbstvorschau des Diogenes Verlages, hyperhyper, die einen neuen Roman des von mir innig geliebten Schriftstellers Leon de Winter ankündigt, ein Quickie aus seinem 1999 erschienen Roman "Sokolows Universum" :



kurzer Einführung ins Geschehen (kürzer geht kaum) : jemand wurde ermordet.

"....aber für den Physiker Sokolow war kaum etwas geschehen. Die Atomkerne der Zucker- und Phosphatmoleküle der DNS des Ermordeten waren vor Milliarden Jahren durch das Universum getaumelt und zufällig im Körper dieses Mannes zusammengekommen.
Und die Bausteine der Protonen und Neutronen des Atomkerns bestanden aus Quarktrios, die in den allerersten Sekunden nach der Geburt des Universums entstanden waren.
So weit die Wissenschaft, die alles erklärte und nichts beschönigte.
Und die Familie des Toten weinte um achtzig Kilogramm Quarktrios, die fünfzehn Milliarden Jahre alt waren. Tränen um das All."

Ist das nicht poetisch ?
Lesen Sie alle Leon de Winter, es wird Ihnen nicht zum Nachteil gereichen....

Mittwoch, 25. Mai 2016

mmm 07/16

Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehn.... Ja, neeee, eher nicht, aber wenn, dann !! Hätte ich was anzuziehen. Die Kombination aus blauen Schwalben und weißem Hemd ergibt sofort Wasser-Sommer-Urlaubsfeeling :


Rock   : Hollyburn, Vorderteil im Gegensatz zur Schnittvorlage im Bruch geschnitten
Hemd  : ASOS

die anderen Damen heute auch in tierischer Laune ? bitte hier überprüfen........

Dienstag, 24. Mai 2016

Pariser Symphonie

Die Schriftstellerin Irène Némirovsky, geboren zu Anfang des letzten Jahrhunderts, wurde Ende der Zwanziger Jahre, nach der Veröffentlichung ihres ersten Romanes "David Golder"  zum Star der Pariser Literaturszene.  Als Tochter eines jüdischen Bankiers führte sie auch nach der Flucht vor der Oktoberrevolution 1919 nach Paris, ein privilegiertes Leben. Irène studierte Literaturwissenschaften an der Sorbonne und wurde als Schriftstellerin eine anerkannte Stimme . Nach der Besetzung Frankreichs durch die Nazis wurde die Familie gezwungen Paris zu verlassen. Irène, die ihr Schicksal wohl voraussah, schrieb viel in der ihr verbleibenden Zeit, darunter auch ihr bekanntestes Werk, die "Suite française". 1942 wurde sie nach Auschwitz deportiert und kam kurz darauf um.



In der kürzlich bei Manesse erschienen "Pariser Symphonie" sind Erzählungen versammelt, die teilweise bereits zu Lebzeiten der Autorin veröffentlicht  waren, sowie einige bis dato unveröffentlichte.
Zwei der insgesamt 11 Erzählungen, darunter auch die Titelgeschichte "Pariser Symphonie" sind angelegt als Filmskizzen, lesen sich wie Drehbücher und unterscheiden sich stilistisch zu den neun klassisch erzählten . 
In allen Geschichten, ob drei oder sechzig Seiten lang,  dreht es sich um die zeitlosen Themen Liebe, Leidenschaft, Tod, gerne auch etwas Übernatürliches und Okkultismus. Schicksal eben.


tolles Cover!
Némirovsky ist eine genaue Beobachterin, sie zeichnet Charaktere sehr pointiert. Ihr Erzählstil ist verblüffend modern, das Menschenbild, das sie beschreibt nicht immer (mehr?) ....

Sehr bewegend und informativ ist das Nachwort von Sandra Kegel, das den Hintergrund des Lebens und Werkes der Autorin beleuchtet und mit  Zitaten anrührt:

 "Das Schicksal kündigte sich mit einem Schlag an, wie die Schriftstellerin ihn nicht hätte erfinden mögen. "Ich habe meinen Füller verloren", notiert Irène Némirovsky im Juni 1942. Dann erst widmet sie sich den weiteren Aspekten einer ins Grauen führenden, sehr nahen Zukunft : " Es gibt auch noch andere Sorgen wie z.B. drohendes Konzentrationslager.""

Mein Fazit:  Nicht alle Geschichten überzeugen mich inhaltlich, stilistisch schon. Lohnenswert ist die Lektüre allenfalls; für mich ist sie Anstoß, mich mit den Romanen von Irène Némirovsky zu beschäftigen.




Irène Némirovsky

Pariser Symphonie


240 Seiten
Manesse
978-3717524120



Donnerstag, 19. Mai 2016

Salon- und andere Frauen


Der  Elisabeth Sandmann Verlag aus München publiziert nach eigener Aussage "schöne Bücher für kluge Frauen", damit gemeint sind meist großformatige, illustrierte Bücher deren zentrales Thema die Geschichte bzw. Biographien von Frauen in Bereichen der Kunst, Literatur, Architektur und verschiedenen Aspekten von Zeitgeschehen behandelt.


(die "Salonfrauen" mit zwei weiteren Bildbänden des Sandmann Verlages aus meiner Bibliothek, die ich empfehlen kann)

Mit dem Bildband "Salonfrauen - Leidenschaft, Mut, geistige Freiheit" setzt die Autorin Ulrike Müller Salonnièren der letzten Jahrhunderte ein Denkmal.
In einer Art üppigem Bildlexikon stellt sie Frauen vor, denen es mithilfe der Salonkultur gelang, an Ideen-und Wissensaustausch teilzuhaben, ungeachtet der Schranken von Klassen- und/oder Geschlechtszugehörigkeit.


"Im Mittelpunkt stand stets die Dame"


Nach einer einführenden Erklärung zur Geschichte und Entstehung der Salonkultur, werden, eingeteilt nach dem inhaltlichen Schwerpunkt der jeweiligen Salons wie Literatur, Politik & Philosophie, Musik und Kunst, die Salonnièren in Text und Bildern vorgestellt.
Das Spektrum reicht von Frauenbildung- und Rechten im Berliner Salon der Fanny Lewald über den musikalischen Salon der reichen Erbin des Nähmaschinenimperiums Winnaretta Singer-Polignac, dem rosafarbenen Expressionsimus Salon der Marianne von Werefkin bis zur Pragerin Berta Fanta, die mit Einstein über Naturwissenschaften "plauderte".

Ulrike Müller, promovierte Literaturwissenschaftlerin, schreibt fundiert und mit  Enthusiasmus über dieses, leider vergangene, Stück europäischer Geistesgeschichte. Nach dem ersten Weltkrieg kamen die Salons aus der Mode und sind in der Unterhaltungskultur aufgegangen.

Nicht nur die Autorin ist von der Utopie des Salons ergriffen, auch mir spukt die Vorstellung eines offenen Gesprächsraumes in einem festen, wenn auch zwanglosen Rahmens zu Themen aus Philosophie, Kunst oder Literatur im Kopf herum und das nicht erst, aber seit der Lektüre verstärkt.... Bis ich Sie alle zur Eröffnung einladen kann, betrachte ich das Blog als virtuellen Salon und lade Sie zur regen Teilnahme ein !

Mein Fazit : eine bereichernde,  ästhetisch ansprechende Einführung in die Salonkultur (die dringend wiederbelebt werden sollte).





Ulrike Müller

Salonfrauen


144 Seiten
Elisabeth Sandmann Verlag
978 3-938045-78-7

Dienstag, 17. Mai 2016

Die Shakespeare Festspiele #1 - "Der weite Raum der Zeit"

Anlässlich des 400. Todestages des größten aller Wortakrobaten, hat der britische Verlag "The Hogarth Press"   
8 renommierte Schriftsteller dazu gebracht ihre ganz persönliche Neuerzählung eines Werkes von William Shakespeare zu präsentieren.



Um es mit den Worten des Meisters zu sagen:
"Ist dies schon Wahnsinn, so hat es doch Methode."

Die Veröffentlichung der einzelnen Werke, beginnend in diesem Frühjahr, zieht sich bis zum Herbst 2018 und wird in Deutschland vom Knaus Verlag betrieben. Wer sich gerne einen Überblick verschaffen möchte, kann das hier auf der Verlagsseite.

Den Anfang machen dieses Frühjahr die Neuerzählungen des Wintermärchens "Der weite Raum der Zeit" von Jeanette Winterson und "Shylock" aka Der Kaufmann von Venedig von Howard Jacobson.
Als bekennender Shakespeare Verehrer (wie könnte man als Büchernarr & Geschichtenliebhaber auch anders !) bin ich natürlich mehr als begeistert von diesem Projekt und werde s.e.l.b.s.t.v.e.r.s.t.ä.n.d.l.i.c.h alles lesen und meine eigenen Festspiele in Form einer losen Reihe mit verschiedenen Themen zum Barden aus Stratford-upon-Avon ausrichten.




Dass das Projekt sehr inspirierend wirkt, haben auch die beiden Bloggerkolleginnen von herzpotential bereits erfahren; hier geht es zur entsprechenden Seite

Genug der Vorrede, lasst die Spiele beginnen...

Jeanette Winterson, selbst Adoptivkind, bezeichnet das Wintermärchen als einen literarischen Glücksbringer, um den ihr Werk seit Jahren kreist.
Winterson versetzt die Handlung um den von blinder Eifersucht zerfressenen König Leontes und seinem Freund Polixenes, dem vermeintlichen Liebhaber seiner Frau Hermione, mühelos in unsere Zeit : Leo, der Banker, sein Freund Xeno, MiMi seine Frau, das ausgesetzte Findelkind Perdita, das sich später in New Bohemia, dem Königreich Neu Böhmens von Shakespeare, in den Sohn Xenos verliebt...
Virtuos spielt sie mit dem Personal Shakespeares, der Handlung, macht Pausen wie im Theater und tritt selbst gegen Ende als Zuschauer von den hinteren Plätzen nach vorne :

"Es ist ein Stück über Vergebung, Zukunft und darüber, wie beides ineinandergreift. Zeit ist umkehrbar."

Mein Fazit : "Der weite Raum der Zeit" ist ein mehr als gelungener Auftakt für das Shakespeare Projekt. Spannend, komisch, tragisch, modern, zeitlos. Nochmals in den Worten des Meister, wenn auch mit einem Zitat aus dem Sommernachtstraum :
"Gut gebrüllt, Löwe !"






Jeanette Winterson

Der weite Raum der Zeit


288 Seiten
Albrecht Knaus Verlag
978-3813506730





Sonntag, 15. Mai 2016

Glückskontinuum

seit frühen Kindertagen :


Bett, Buch, Gummibärchen



alles kann so einfach sein....

Mittwoch, 11. Mai 2016

"Schwarzes Gold" von Dominique Manotti

Weder Krimis (den Luxemburger Genußermittler Kieffer ausgenommen), noch Thriller, gar Politkrimithriller mit Wirtschaftshintergrund gehören zu meinem bevorzugten Literaturgenre. Und Romane, die im Präsens geschrieben sind, kann ich schon mal gar nicht leiden.
All das trifft auf Dominique Manottis neuen Roman " Schwarzes Gold" zu und gemäß meines Lieblingsmottos "Was-kümmert-mich-mein-dummes-Geschwätz-von-gestern", folgt im Anschluss ein Loblied.
Ich könnte noch meine Frankophilie anführen: die französische Gattungsbezeichnung  "roman noir" hört sich doch direkt viel ansprechender an...


mit extra schmutzigem Ölkanister !

Kurzum, grob zum Plot: 1973, Commissaire Daquin aus Paris kommt nach einem Auslandsjahr zur Marseiller Kriminalpolizei und direkt sein erster Fall katapultiert ihn in einen Sumpf aus Korruption, Seilschaften, Vorteilsnahme, Bestechung - nehmen sie alle Begriffe zum Thema, die Ihnen einfallen  = Bingo !
Vor dem Kasino in Nizza wird ein bekannter lokaler Unternehmer mit 10 exakt platzierten Schüssen niedergestreckt, was die hiesigen Polizeioberen/Richter/Staatsanwälte am liebsten als Abrechnungen im Milieu abtun. Daquin, als Fremder und argwöhnisch beobachteter Pariser, hat eigentlich keine Chance, aber die nutzt er.
Es geht von der Mafia über Geheimdienste, Freimaurern, Waffenhandel, globaler Wirtschaftsverstrickungen, Kunsthandel, der French Connection bis zum Öl,  Geißel unserer Zeit. 
Und alles ist noch viel schlimmer, als man es sich vorstellen kann; wie sagt Inspecteur Costa aus der Abteilung Finanzdelikte :

"Der internationale Handel ist ein riesiger Saustall"

Manotti entwickelt einen hochkomplexen Plot, der, auch wenn ich ihn sicher nicht an allen Stellen einhundertprozentig verstanden habe,  alles aufbietet an Spannung und Brisanz, die man sich nur wünschen kann. Manotti ist Professorin für Wirtschaftsgeschichte und das merkt man dem Roman jederzeit an, die Frau weiß, wovon sie schreibt !

Am Ende des Buches gibt es nicht nur ein beeindruckendes Nachwort in Zahlen und Fakten, sondern auch eine Liste mit weiterführender Lektüre, Links etc. Ich bin noch nicht vollständig durch, möchte aber den folgenden eindringlich empfehlen :
Das Geheimnis der sieben Schwestern

mein Fazit : alles lesen, wo Manotti draufsteht !!!! (sagt der alte Krimifan, muahharrrrr)



Dominique Manotti

Schwarzes Gold


384 Seiten
Argument Verlag mit Ariadne
978-3867542135